Unser Protagonist

Das World Wide Web, so wie wir es kennen, würde es ohne Tim Berners-Lee nicht geben. Zunächst ein paar Daten über seinen Werdegang:

  • * 8 Juni 1955 in London
  • Physik in Oxford mit Abschluss 1976 am Queens College
  • 1978 Software-Entwickler bei D.G Nash Ltd
  • 1980 beratender Ingenieur, u.a. am CERN
  • 1981 - 1984 Direktor von Image Computer Systems in Bournemouth
  • 1984 CERN
Tim Berners-Lee 2014 - Wikipedia

Ein Netzwerk für Alle?

1980 arbeiteten ca. 10.000 Menschen am Kernforschungszentrum (CERN) in Genf mit verschiedenster Hardware und Software. Dennoch wollte man die Forschungsergebnisse, Daten und Fakten miteinander teilen und das am liebsten auf einfachstem Wege. Am 23. Juni fing Berners-Lee das erste Mal an am (CERN) zu arbeiten. Lediglich 6 Monate war er dort angestellt; schaffte es jedoch in dieser Zeit ein Programm zu entwickeln, dass den Anforderungen der Wissenschaftler schon ziemlich gerecht wurde.

Die Rede war von Hypertext. Ein Text, dem man eine semantische und logische Struktur geben konnte. Zwar gab es bereits ein paar Programme, die Hypertext prozessieren konnten, jedoch genügten diese den unterschiedlichen Systemanforderungen nicht. Enquire hieß das Programm, dass Berners-Lee entwickelte und bildete den Grundstein für sein Meisterwerk...

Das World Wide Web

Zwar war Enquire bereits ein großer Schritt in Richtung systemübergreifenden Datenaustausch, aber sicherlich noch weit entfernt von problemloser Installation und Handhabung. Da das Kernforschungszentrum teils auf schweizerischem und teils auf französischem Boden lag, herrschten gravierende Diskrepanzen im Bereich der Netzwerkinfrastruktur. Also schlug Tim Berners-Lee am 12. März 1989 das Projekt World Wide Web vor, welches zunächst aus den drei Grundsäulen bestand:

  • HTTP als Protokoll, mit dem der Browser Informationen vom Webserver anfordern kann.
  • HTML als Auszeichnungssprache, die festlegt, wie die Information gegliedert ist und wie die Dokumente verknüpft sind (Hyperlinks).
  • URIs als eindeutige Bezeichnung einer Ressource, welche dem Teilaspekt URL übergeordnet ist, welche zur eindeutigen Lokalisierung einer Ressource dient.

Zwischen Herbst und Winter 1990 entwickelte er aus diesen drei Kernkonzepten das World Wide Web und lud auch gleich im Winter die aller erste Webseite der Welt auf seinen eigens dafür erstellten Webserver.

Erster Webserver der Welt - Wikipedia

Was ist SGML?

SGML ist eine sogenannte Metasprache, d.h. mithilfe dieser Sprache kann man andere Auszeichnungssprachen definieren. Auffallend bei dieser Sprache ist die Trennung von Struktur und Layout. Dafür benutzt SGML zwei Komponenten:

  • DTD für die Prüfung der Struktur eines Dokuments und
  • DSSSL als Formatierungssprache für das Layout.

Ein Dokument, das mit einer Auszeichnungssprache strukturiert wurde, muss auf irgendeiner Art und Weise geprüft werden. Dafür werden sogenannte Parser benutzt. SGML Parser lesen also zunächst die Regeln aus der Dokumenttypdefinition DTD ein und prüfen, ob ein Webseitendokument diese Regeln erfüllt (valid) oder nicht (invalid). Für den Parser unwichtig ist hierbei die Formatierungssprache DSSSL.

Was ist HTML?

HTML ist eine Auszeichnungssprache, mit der man Hypertext strukturieren kann. Sie wurde aus SGML entwickelt und stellt in ihrer fünften Version HTML5, den heutigen Standard für die Auszeichnung von Webdokumenten dar. Ähnlich wie SGML, trennt sie die inhaltliche Struktur vom Layout. Dafür wird jedoch die Stylesheet-Sprache CSS benutzt. Folgende Sprachelemente wurden von HTML zu hundert Prozent aus SGML übernommen und sind zum Großteil noch heute in HTML5 enthalten:

BeschreibungBeispiel
Tags in spitzen Klammern zur Auszeichnung von Daten<h1>
Dokumenttypdefinitionen als Regelwerk für die DokumenteDTD HTML 4.0
Dokumenttypdeklaration zur Anzeige, um welchen Typ es sich handelt<!DOCTYPE HTML PUBLIC "-//IETF//DTD HTML 4.0//DE">
Zeichen-Entitäten, um wiederkehrende Zeichen zu standardisieren und Probleme mit Parsern zu vermeiden. Wenn <h1> als Text und nicht als Formatierung einer Überschrift angezeigt werden soll, müssen für die Klammern folgende Entitäten (Ersatzzeichen) benutzt werden&lt; h1 &gt;
CDATA Abschnitte, um dem Parser mitzuteilen, dass hier kein Markup erfolgen soll<![CDATA[ Inhalt ]]>
Kommentare welche vom Parser ignoriert werden und Informationen für Entwickler darstellen<!-- Kommentar -->

Der Browserkrieg

  • Der Browserkrieg fing 1993 an, als Marc Andreessen den ersten grafischen Webbrowser der Welt entwickelte: Mosaic.
  • 1994 gründete Andreessen die Firma Netscape und entwickelte aus dem Quellcode seines Vorgängers Mosaic den Netscape Navigator, der in kürzester Zeit zum Standardbrowser für Webdarstellung wurde und den Mosaic ablöste.
  • Im Jahr 1995 entwickelte Bill Gates ebenfalls aus dem Quellcode des Mosaic den Internet Explorer.
  • Daraufhin brach ein regelrechter Krieg um die Marktanteile aus.
  • Im November 1994 kam der Standard HTML2 auf den Markt und beide Browserhersteller versuchten mit eigenen Elementen, die speziell nur von ihrem Browser angezeigt werden konnten, die größten Marktanteile zu gewinnen.
  • Doch der Internet Explorer erlangte zunehmend an Installationen und gewann den Krieg.

Das W3C

Das World Wide Web Consortium (W3C) wurde aufgrund des riesigen Wirrwars gegründet, dass HTML2 durch den Browserkrieg erfahren hat. Die grundlegende Idee der einfach Strukturierung von Dokumenten wurde von den Browserherstellern komplett außer Acht gelassen und eine Vielzahl an sinnlosen Elementen wurden entwickelt.

Das W3C versuchte also im ersten Schritt, mit HTML3 im März 1995 alle Elemente, die bis dahin entwickelt wurden, in einen Standard zu packen. Relativ schnell, merkte man die Unwichtigkeit dieser Elemente und schaffte sie im Dezember 1997 mit dem Standard HTML4 ab.

HTML4 war lange Zeit der Standard, der am meisten Zukunftsmusik erntete, da man sich endlich wieder auf den Grundgedanken von HTML konzentrierte: Teilung von Struktur und Layout. Weiterhin wurde HTML um die Scriptsprache Javascript erweitert, mit der man die Seite um programmatische Konzepte erweitern konnte. Man ermöglichte die Layouttrennung durch den Gebrauch von Stylesheets. Mithilfe der Sprache CSS konnte man nun die Elemente einzeln designen. Ebenfalls wurde das Konzept der Tabellen eingeführt, mit denen man nicht nur Daten übersichtlich darstellen konnte, sondern durchaus seine ganze Seite strukturieren konnte.

Im Februar 1998 wurde XML entwickelt. XML ist eine Metasprache, ähnlich wie SGML, und brachte neue Regeln mit sich. Daraus wurde XHTML gegründet und von nun an musste auf vieles Mehr geachtet werden:

  • Jedes Dokument musste von nun an folgende Elemente beinhalten: <DOCTYPE>, <html>, <head>, <title>, <body>.
  • Bis auf das Doctype-Element mussten alle Elemente und Attribute klein geschrieben werden.
  • Das HTML-Element musste ein XMLNS Attribut beinhalten.
  • Attribute wie checked ohne Wert, mussten nun einen Wert haben.
  • Leere Elemente, musste am Ende mit einem Schrägstrich (Slash) gekennzeichnet werden

Das folgende Bild, soll die Zusammenhänge, der einzelnen Sprachen verdeutlichen:

Zusammenhänge der Websprachen - Quelle

Die Gründung von WHATWG

WHATWG steht für:

  • Web
  • Hypertext
  • Application
  • Technology
  • Working
  • Group

und ist ein Zusammenschluss aus mehreren Browserherstellern, die mit XHTML nicht all zu zufrieden waren. Sie wollten einen neuen Standard entwickeln und taten dies auch. 2004 kam HTML5 auf den Markt und bildet den heutigen Standard für die Strukturierung von Webdokumenten. HTML5 beinhaltet neue Elemente, wie beispielsweise die semantischen Elemente <header>, <footer>, <nav>, <article>, <section> und <aside>.

Weiterhin birgt HTML5 auch eine Antwort auf die sich verändernde Internetkultur. Seit Plattformen wie Youtube weiß man, dass Video und Audio Elemente zum Internet, wie der Rand zum Brot gehören. Auch dafür wurden neue Konzepte ausgearbeitet und die Elemente <video> und <audio> entwickelt. Da zunehmend Wert auf Grafik, Design und Co. gelegt wird, wurde das <canvas> Element eingeführt, mithilfe dessen 3D-Grafiken dargestellt werden können. Hierfür wird sehr gerne die Schnittstelle WebGL benutzt.